Trinkwasserhygiene im Krankenhaus

Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich die Erkenntnis durch, dass Hygiene für unsere Gesundheit unabdingbar ist. Heute erinnert beispielsweise in Operationssälen nichts mehr an die Zustände vor gut 200 Jahren. Umso erstaunlicher ist es, dass der Trinkwasserhygiene oft erst im Ernstfall Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Bakterien der Gattung Pseudomonas unter dem Rasterelektronenmikroskop

Beispiel: Veraltete Trinkwasser­‐Installation

Kommt es in der Trinkwasser-Installation zu einer Kontamination mit gesundheitsgefährdenden Bakterien, ist dies in Gebäuden, in denen sich Personen mit einem geschwächten Immunsystem aufhalten, besonders kritisch.

So erkrankten beispielsweise 16 Patienten eines Mülheimer Krankenhauses an der gefährlichen Legionärskrankheit, ausgelöst durch Legionellen im Trinkwasser. Der Grund war eine veraltete Trinkwasser-Installation mit gemeinsam in einem Schacht verlegten Warm- und Kaltwasserleitungen. Dadurch kann die Temperatur im Kaltwasser den für das Bakterienwachstum idealen Bereich zwischen 25 und 45 °C erreichen. Bis zur Sanierung ist die Kontamination durch Sterilfilter eingedämmt. Der Preis dafür: 60.000 Euro monatlich.

Beispiel: Kontaminierte Bauteile

In einem anderen Beispiel wurde bei einem Krankenhausneubau vor der Inbetriebnahme eine Verunreinigung der Trinkwasser-Installation mit dem mehrfachresistenten Krankenhauserreger Pseudomonas aeruginosa festgestellt. Auf der Suche nach der Ursache gerieten erst die Armaturen in Verdacht. Doch durch eine fachgerechte Beprobung und die umfangreiche statistische Auswertung der Befunde konnte die Druckerhöhungsanlage (DEA) als Quelle ausgemacht werden. Nach der werksseitigen Prüfung der DEA war Wasser im Inneren zurückgeblieben, in dem sich die Bakterien ausbreiten konnten. Durch die Dekontamination der DEA sowie auf die Befunde abgestimmte Spülungen und mittels thermischer Desinfektion gelang die Sanierung.

Trinkwasserqualität von Anfang an einplanen

Die gezeigten Beispiele machen deutlich, dass eine sichere Trinkwasserhygiene von ganz unterschiedlichen Faktoren abhängt: von der Qualität der verbauten Produkte, der fachgerechten Planung und dem sachgerechten Betrieb. Dazu kommen Faktoren wie der sehr hohe Wasserbedarf im Krankenhaus mit temporären Verbrauchsspitzen aber auch temporären Nutzungsunterbrechungen sowie Planungsfehler bei An- und Umbauten oder veraltete Trinkwasser-Installationen.  

Das rechtlich übergeordnete Regelwerk für den Erhalt der Trinkwasserhygiene im Gebäude ist die Trinkwasserverordnung. Dort heißt es: „Anlagen für die Gewinnung, Aufbereitung oder Verteilung von Trinkwasser sind mindestens nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik zu planen, zu bauen und zu betreiben.“ Die Technischen Regeln für Trinkwasser-Installationen bestehen aus den europäischen Normen DIN EN 806 und DIN EN 1717 und der nationalen Ergänzungsnormen so z. B. die DIN 1988 für Planung, Ausführung und Betrieb.

Grundsätzlich gilt es, eine übermäßige Vermehrung von Bakterien zu unterbinden. Die drei wesentlichen Wachstumsfaktoren sind Nährstoffe, Temperatur und Zeit.

Nährstoffe minimieren

Verwendung von Produkten mit ausschließlich mikrobiologisch geprüften Werkstoffen gemäß DVGW W 270.

Temperatur begrenzen

Temperaturen müssen im Warmwasserbereich über 55 °C liegen (Warmwasserspeicher, Zirkulationssystem), im Kaltwasserbereich bei max. 25 °C. Durch die Verlegung der Leitungsstränge in unterschiedlichen Schächten wird ein wechselseitiges Aufheizen bzw. Abkühlen minimiert.

Zeit minimieren

Der Betreiber hat allein für den bestimmungsgemäßen Betrieb zu sorgen. Das heißt er muss alle drei Tage (72 Stunden) für einen vollständigen Wasserwechsel über die Entnahmestellen sorgen. Dieses Intervall darf auf maximal sieben Tage verlängert werden, wenn hygienisch einwandfreie Verhältnisse vorliegen (VDI 6023-1). Dies wird durch eine schlanke Installation, die möglichst wenig Wasser enthält, unterstützt. Totleitungen – auch verursacht durch ungenutzte Armaturen – sind zu vermeiden.

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Viele unserer Armaturen für Waschtisch, Dusche, WC und Urinal gibt es mit Infrarotsensor für berührungsloses Auslösen und automatisch erfolgende Stagnationsspülungen. Dadurch wird der Kontakt mit der Armatur vermieden, eine Übertragung von Krankheitserregern ist nicht möglich.

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Vertiefende Informationen zum Thema finden Sie in unserem Fachartikel "Bakterien im Trinkwasser eines Krankenhausbaus - Ursachen, Sanierung und Empfehlungen für die Praxis“.

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