Eine Armatur zeigt Persönlichkeit

„Willkommen in meiner Autowerkstatt mit Designecke“, begrüßt uns der Industriedesigner Uwe Spannagel in seinem Kölner Studio. Und tatsächlich stehen im hinteren Bereich der kleinen Industriehalle mehrere – vornehmlich italienische – Oldtimer aus den 1970er-Jahren. Mit so viel Leidenschaft wie er die alten Schätze restauriert, gestaltet er für seine Kunden, darunter SCHELL, deren Produkte. Während das Gespräch schon um hochwertige Armaturen kreist, wird der Begrüßungscappuccino an einer ferrariroten Theke serviert. Das Produkt, um das es heute gehen soll, liegt auch schon bereit: Die neue Armatur XERIS, deren Design Uwe Spannagel für SCHELL entwickelt hat. Auf der ISH wurde die gesamte Familie vorgestellt und erfreut sich wachsender Beliebtheit - auch weil sie neue Möglichkeiten eröffnet. Welche das sind, erfahren wir im Gespräch mit dem Designer.

HAUTnah: Herr Spannagel, welche Einsatzbereiche hatten Sie bei der Gestaltung von XERIS vor Augen?

Uwe Spannagel: Wir haben die XERIS für eine elegante Architektur entworfen, beispielsweise in halböffentlichen Sanitärräumen von Restaurants, Museen und Büros. Damit verlässt die Armatur ein Stück weit die klassischen Einsatzbereiche des öffentlichen Sanitärraumes.

 

HAUTnah: Welche Funktion hat Design in einem Umfeld wie dem öffentlichen und halböffentlichen Sanitärraum?

Uwe Spannagel: Im Grunde sind diese Räume Ausweise für den Betreiber und daher sehr wichtig. Eine sehr nüchterne Armatur, die aussieht, als sei sie aus Halbzeugen zusammengesteckt, reicht da nicht. Dementsprechend hat dort Design und Gestaltung Einzug gehalten. Ein Ergebnis dieser Entwicklung ist die XERIS.

Darüber hinaus glaube ich, dass so auch Vandalismus ein Stück vorgebeugt werden kann. Eine additiv gestaltete Armatur lädt ja geradezu dazu ein, sie zu zerlegen. Die XERIS kann dies mit ihrem sehr persönlichen und eleganten Design aus einem Guss verhindern.

HAUTnah: Sehen Sie Trends in diesem Segment?

Uwe Spannagel: Bei hochwertiger Architektur folgt der Sanitärraum den Ansprüchen, weil sich die Menschen wohlfühlen sollen und wollen. Das gilt natürlich für Objekte wie Verwaltungsgebäude, aber auch für Bahnhöfe und Raststätten. Oft ist die Gestaltung in diesem Bereich noch rein funktional bestimmt. Doch das wandelt sich.

HAUTnah: Sie entwerfen immer wieder Armaturen. Wie finden Sie die passende Form für das jeweilige Produkt?

Uwe Spannagel: Wir haben natürlich starke Einschränkungen durch Technik, Bauform und Maße sowie durch unterschiedliche Bedienvarianten. Puzzelt man die einzelnen Teile zusammen, kommen am Ende wenige passende Bauformen heraus. Das Ergebnis hat idealerweise das Potenzial, alle Funktionen und Zwecke zu erfüllen. Im nächsten Schritt gilt es, für die Form eine einzigartige Gestaltung zu finden, die es noch nicht gibt.

HAUTnah: Und was macht XERIS einzigartig?

Uwe Spannagel: Durch die maximale Reduktion ist das Design nicht beliebig, sondern beweist etwas. Wir wollen zeigen, wie fließt hier das Wasser: Wo kommt das Wasser her, wie fließt es um die Ecke und wo kommt es raus.

Sichtbar wird dies in der großen Fläche des Auslaufs. Sie hat einen klaren Beginn am Wasseraustritt, wölbt sich dann in die Horizontale und schließt sich ganz harmonisch hinten mit dem Halbkreis. Dadurch ist das Produkt ganz klar zu lesen. Gleichzeitig vermittelt die Fläche Eleganz und Hochwertigkeit. Auch die Kombination von Wasserauslauf und Standkörper ist neu: Unten der sanfte organische Übergang und oben die geradlinige Fläche mit harten Kanten.

Früher waren Armaturen eher klein und geneigt. XERIS ist das Gegenteil: Sie ist geradlinig und selbstbewusst, persönlich und elegant.

HAUTnah: Produktqualität zeigt sich auch in der Funktion und Ausführung eines Produkts. Was war Ihnen besonders wichtig?

Uwe Spannagel: Auch hier war uns die gute Lesbarkeit des Produkts wichtig. Die Infrarot-Armatur hat kein sichtbares Bedienelement. Zusammen mit dem klar definierten Sensorfenster im Standkörper wird aber direkt erkannt: Es handelt sich um eine berührungslos auslösende Armatur. Anders bei der Selbstschluss-Armatur. Der Bedienknopf sitzt gut sichtbar auf der Armatur und sagt: "Hier drücken".

HAUTnah: Gibt es einen öffentlichen Sanitärraum, den Sie besonders schätzen oder der Ihnen in guter Erinnerung geblieben ist?

Uwe Spannagel: Ein gutes Beispiel ist das Kolumba Museum hier in Köln von Peter Zumthor. Er hat als Architekt den Anspruch, das gesamte Gebäude bis ins Detail zu gestalten - also auch die WC-Anlagen. Es waren Architekturen wie diese, an die ich bei der Gestaltung der XERIS gedacht habe.

Bleiben Sie nah dran: Jetzt unverbindlich Newsletter HAUTnah abonnieren.

Keine Einträge vorhanden

Keine Einträge vorhanden